Freitag, 15. Dezember 2017

Nach der Prognose ist vor der Prognose

Es ist mal wieder Zeit, die Wirtschaftsweisen zu Wort kommen zu lassen. Mit Verweis auf den Deutschlandfunk notieren wir uns folgende Progonosen:

Prophet: Deutsche Bundesbank (Frankfurt)
Datum:15.12.2017
Vorhersage 1: Im Jahr 2017 wird die deutsche Wirtschaft um 2,6 Prozent wachsen (Korrektur von bisher 1,9).
Vorhersage 2: Im Jahr 2018 wird die deutsche Wirtschaft um 2,5 Prozent wachsen.
Vorhersage 3: Im Jahr 2019 wird die deutsche Wirtschaft weniger als im Vorjahr wachsen (voraussichtlich höchstens 2,4 Prozent)
Vorhersage 4: Im Jahr 2020 wird die deutsche Wirtschaft weniger als im Vorjahr wachsen (voraussichtlich höchstens 2,3 Prozent)

Der Originaltext für die Prognosen 3 und 4 lautete: "In den Jahren 2019 und 2020 dürfte es dann voraussichtlich zu einer Verlangsamung kommen."

Samstag, 6. September 2014

Schlechte Propheten

Wirtschaftswachstum

Schade, die Deutsche Bank lag mit ihrer Prognose daneben. Im Jahr 2013 ist das Brutto-Inlandsprodukt um 0,4% gestiegen, dass war deutlich mehr als noch im Juni vorhergesagt (+0,1%). Auch ihre Vorhersage aus dem ersten Quartal (+0,3%) war falsch. Für die Prognose aus unserem ersten Beitrag sind damit „minus Unendlich Punkte“ fällig.

Erst im September 2013 veröffentlichte das DIW Berlin eine korrekte Vorhersage. Ich bin davon nicht beeindruckt, immerhin standen da bereits drei von vier Quartalszahlen fest, auf deren Basis das Jahr bewertet wird.

Zum selben Datum hatten auch zwei weitere Institute ihre Tipps abgegeben, nämlich der Bundesverband deutscher Banken (BdB) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Mindestens eines von beiden irrte sich bei der Vorhersage einer Änderung von +0,6%.

Während die vorhergesagten Zahlen noch alle in der selben Größenordnung liegen, so unterschiedlich werden sie bewertet. Auf der einen Seite spricht Wallstreet Online über die „hohe konjunkturelle Dynamik in Deutschland (0,7 Prozent)“  und eine „überraschend kräftige wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich (0,5 Prozent)“ und meint damit die Zahlen der ersten Quartals 2013. Im selben Artikel bewertet man die Erwartung von +1,7% als „moderat“. Bei der FAZ sind die selben Zahlen „ein starkes Jahr 2014“.
Vier Wochen später äußert sich auch der Tagesspiegel „exklusiv“ zum Thema und betitelt die Nachricht mit „Kein kräftiger Aufschwung in Sicht“. Die bereits erwähnten 0,4 % seien nun „nur halb so viel wie noch im April beim Frühjahrsgutachten prognostiziert, wie der Tagesspiegel am Mittwoch erfuhr“ und außerdem „nur knapp über Null“. Die Zahlen hatten sich in den vier Wochen nicht so sehr geändert, dass sie den plötzlichen negativen Ton erklären würden. Eine exakte Quelle für seinen Pessimismus will der Artikel nicht nennen. Stattdessen gibt er eine Auswahl von Instituten, an erster Stelle wieder das DIW.

Diese vielen falschen Zahlen und widersprüchlichen Interpretationen lassen mich hoffen, dass niemand versucht, auf deren Grundlage wichtige Entscheidungen zu treffen.

Netzneutralität

Nun kommen wir zum spaßigen Teil. Ich werde mir eine absurd hohe Punktzahl für eine schlechte Prognose geben. Ich hatte im Juli letzten Jahres prophezeit, dass die Telekom ihre Pläne zur „Drosselung“ einzelner Anschlüsse nicht unterlassen wird. Tatsächlich hat die Telekom ihre Pläne dazu aufgegeben und die betroffenen Verträge geändert. Der Grund, warum ich dafür trotzdem Punkte bekomme, liegt am schlechten Timing der Telekom. Ich hatte den Zeitrahmen „bis zur Bundestagswahl“ ausdrücklich angegeben. Die ersten Nachrichten zur Planänderung kamen aber erst im November. Als Konfidenz hatte ich 99% angegeben, das sind also 1/(1-0,99) Punkte = 100 Punkte für mich. Mein neuer Punktestand ist 109,1.

Wenn ich die Parallele zu Sarahs Fußball-Tipp ziehen darf, dann scheinen kurzfristige Prognosen mit hoher Konfidenz ein Garant für reichlich Punkte zu sein. Sarah erhält für ihre erfolgreiche Prognose 8 Punkte.

Sonntag, 13. Juli 2014

Mainstreamige Gastprognosen

Auch wenn sie sonst darauf besteht, keinesfalls mit Fußballfans verwechselt zu werden, hat Sarah eine Gastprognose für uns: Deutschland gewinnt das Finale.
Die Konfidenz ist 87,5%, an der krummen Zahl ist - wie immer - das System schuld.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Auswertungen

Eine Leserin schlug vor, einfach immer das Gegenteil von meinen Prognosen anzunehmen. Damit wäre sie bisher recht gut gefahren.

Auch mit den neuen Entwicklungen sieht es nicht gut aus. Dennoch bleibt mir nichts anderes übrig, als mit starrem Blick und festgefrorenem Lächeln die inzwischen fälligen Prognosen auszuwerten.

Der Preis für West Texas Intermediate betrug am 1.1.2014  mehr als 92,3$. Das gibt -1/(1-0,6) = -2,5 Punkte. Ich weiß auch nicht mehr, was ich mir dabei gedacht hatte. Zum Zeitpunkt der Prognose war es ein Abwärtstrend und ich dachte mir, der würde sich schon fortsetzen. Wirtschaftskrise und so.

Eliezer Yudkowsky war unerwartet fleißig und hat ein Kapitel von HPMOR schon Mitte Dezember veröffentlicht. Das sind wieder -25 Punkte.

Die Solarzellenpreise im Dezember (Preisindex Solarserver) waren tatsächlich unter 0,7€/Wp, aber nur knapp. Das gibt immerhin gerundete 3,3 Punkte.

Den Wordcount beim NaNoWriMo habe ich auch geschafft, aber Jonny meinte, das würde nicht gelten. Das wären 25 Punkte gewesen.

Es gab tatsächlich eine große Koalition, das gibt wieder 3,3 Punkte.

Wie im Juni vermutet, hält sich Assange noch in der ecuadorianischen Botschaft auf. Wieder 3,3 Punkte.

Meine Prognosen mit niedriger Konfidenz scheinen deutlich häufiger einzutreten als die mit hoher. Irgendwas läuft hier schief. Insgesamt bin ich nun bei -24,8 Punkten. Will vielleicht irgendwer mal eine neue Steuer erlassen? Bitte?

Freitag, 29. November 2013

Winterprognosen, Auswertung und Konfidenzen

Einige Leser¹ haben uns darauf hingewiesen, dass unser Konfidenzspiel nicht gut balanciert ist. Die maximale erwartete Punktzahl bekommt man, wenn man alle Konfidenzen als 99% angibt. Warum haben wir das bisher nicht gemacht? Die Prozentzahlen sind auch für uns selbst da, damit wir uns trainieren unsere Sicherheit richtig einzuschätzen.

Oft sind sich Propheten zu sicher in ihren Einschätzungen, Vorhersagen mit 99% Sicherheit treten nur in neun von zehn Fällen ein. (Lesswrong:Overconfidence) Nachdem wir eine Weile vorhergesagt und richtig oder auch falsch gelegen haben, können wir unsere eigene Sicherheit angeben. Die Prognosen mit 99% sollten dann also fast immer eintreffen, von den Prognosen mit 70% Konfidenz sollten etwa 70% eintreten, und so weiter. Bevor wir das auswerten, brauchen wir noch ein paar Prognosen mehr.

Ich bin mir sicher, dass hier ein sokratisches Zitat über die Grenzen des eigenen Wissens angebracht ist.

Jetzt aber zur Auswertung und neuen Prognosen:

Tebartz-van-Elst ist noch Bischof von Limburg. Er wurde zwar ins Kloster gesteckt, ist aber noch Bischof. Das gibt -(1/(1-0,8)) =  -5 Punkte für mich.

Ein Koalitionsvertrag ist veröffentlicht, aber ob ich Punkte dafür kriege, hängt von der SPD-Basis ab.

Am Montag habe ich per SMS eine unkluge Prognose an Jonny geschickt, die mich jetzt auch teuer zu stehen kommt. Mit einem Tagesticket der Deutschen Bahn bin ich quer durch Deutschland gefahren um im Zug produktiv zu schreiben. Dabei hatte ich mit 80% Konfidenz vorhergesagt, dass es über den Tag summiert mindestens zwei Stunden Verspätung geben würde. Die gab es nicht, das gibt wieder -5 Punkte.

Damit bin ich jetzt insgesamt bei -7,2 Punkten. Autsch. Es sieht auch deutlich danach aus, als wäre ich mir viel zu sicher, von meinen 80%-Prognosen ist bisher weniger als die Hälfte eingetreten.
Nate Silver wurde bekannt, als er mit gruseliger Genauigkeit den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 vorhergesagt hat. In seinem Buch "The Signal and the Noise" schreibt er über Vorhersagen und wie sie zu treffen sind, es ist sehr empfehlenswert und gut geschrieben.
Ein von ihm vorgestelltes Ergebnis war die negative Korrelation dazwischen, wie oft Politikwissenschaftler Fernsehinterviews gaben und der Genauigkeit ihrer Prognosen. Medienpersönlichkeiten, so Silver, würden oft dramatische, unbelegte Behauptungen machen um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Das, äh, würde uns nieeee einfallen. Nie.

Jetzt bin ich also bei einem negativen Punktestand und es hängt an den Genossen und vielleicht der Finanztransaktionssteuer, mich da wieder rauszuholen.

In der Zwischenzeit gibt es noch ein paar Prognosen:

Der Preis für West Texas Intermediate, eine beliebte Rohölsorte, wird am 1.1.2014 weniger als 92,3$ pro Barrel betragen.
Quelle: http://www.wolframalpha.com/input/?i=west+texas+intermediate
Konfidenz: 60%

Von Harry Potter and the Methods of Rationality werden bis zum 1.1.2014 keine neuen Kapitel veröffentlicht.
Konfidenz: 95%

Von Harry Potter and the Methods of Rationality werden bis zum 1.2.2014 keine neuen Kapitel veröffentlicht.
Konfidenz: 80%

Der durchschnittliche Spotmarktpreis für Solarzellen aus kristallinem Silizium und deutscher Fertigung wird im Dezember 2013 weniger als 0,7€/Wattpeak betragen.
Quelle: Solarserver Preisindex
Konfidenz: 70%

Die nächste Prognose macht deutlich, dass ich nicht zu lange auf Ideen sitzen darf. Ich hatte mir aufgeschrieben, dass es von der britischen Fernsehserie Sherlock neue Folgen zwischen dem 19.12 und 19.01 gibt. Heute hat die BBC einen Termin als 1.1.2014 bestätigt. Den hätte ich gewonnen, schade!

Deshalb ändere ich sie jetzt ab zu:
Im deutschen Fernsehen wird es keine Folgen von Sherlock vor dem 1.2.2014 geben.
Konfidenz: 70%

Jetzt kommt ein Feld, von dem ich überhaupt nichts verstehe, aber linear extrapoliere.
Der atmosphärische CO2-Gehalt wird im November 2013 mehr als 393,85 ppm betragen.
Quelle: CO2Now
Konfidenz: 75%

All diese Prognosen sind eher langfristig. Um mich kurzfristig aus den miesen zu bringen möchte ich eine weitere Prognose vorschlagen:
Beim National Novel Writing Month schaffe ich bis zum 30.11. die geforderten 50k Wörter.
Konfidenz : 96%
Das ist natürlich etwas heikel, weil ich den Ausgang davon selbst beeinflussen kann. Was meint ihr, kann man das gelten lassen?

¹oder vielleicht auch: beide Leser

Sonntag, 13. Oktober 2013

Death and Taxes

"... in this world nothing can be said to be certain, except death and taxes." - Benjamin Franklin

Wir haben lange nichts mehr von uns hören lassen und dabei einige Prognosegelegenheiten verschlafen. So habe ich zum Beispiel noch einen Entwurf herumliegen, welcher der FDP 5-8% prognostiziert. Je nun ... da hat mir meine Faulheit wohl einen Punkteverlust erspart.
In diesem Artikel soll es um Tod und Steuern gehen, genauer um Kirche und Regierungen.

Momentan macht Bischof Tebartz-van Elst von sich reden, da sein Bischofssitz deutlich teurer ist als geplant und behauptet. Nun weiß ich weder etwas genaues über den Bischof von Limburg noch über den von Rom. Ich vermute nur, dass ein Papst, welcher sich nach Franz von Assisi benennt, auf kirchlichen Protz nicht gut zu sprechen ist.

Prognose:
Spätestens am 1.11.2013 wird bestätigt sein, dass Tebartz-van-Elst am 1.1.2014 nicht mehr Bischof von Limburg ist.
Konfidenz: 80%

Nun zu Steuern.
Nach der überraschenden Bundestagswahl¹ findet momentan ein Koalitionspoker statt. Die Union redet mit SPD und Grünen, diese reden mit der Union, die Linke will auch mit SPD und Grünen reden, wird aber nicht gehört.

Prognose:
Es wird eine große Koalition geben
Konfidenz: 70%

Prognose:
Innerhalb der nächsten vier Jahre werden Steuern neu erlassen oder erhöht.
Konfidenz: 99%

Leider ist bisher keine neue Prognose fällig geworden, der Punktestand bleibt beim alten.


¹Gut, dass wir uns da rausgehalten haben. Da hätten wir nur verlieren können.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Kein Aus für Herr der Ringe Online

Die Spielebranche ist wirklich immer für eine Überraschung gut. Nach Microsofts Ankündigung, die nächste XBox-Nutzung nur noch bei laufender Internetverbindung erlauben zu wollen, habe ich einfach alles geglaubt. Nun hat Microsoft einen Rückzieher gemacht. Aber nicht nur mich hat das gewundert, auch echte Industrie-Propheten verlegen die "alles wird digital"-Prognose weiter in die Zukunft. Ich hätte meine Prognose gerne schon früher veröffentlicht, nur um dann falsch zu liegen. Dieses Blog soll ja bewusst ein Gegenentwurf zu denen sein, die schon immer gewusst haben, dass Microsoft mit seiner Immer-Online-Strategie nicht durchkommen wird.

Genau wie das XBox-Fiasko ist auch eine andere Nachricht dem Sumpf der Gerüchte entstiegen, aber im Gegensatz zu den oben genannten Experten, wird sein Urheber über die fehlgeschlagene Prognose nicht überrascht sein. Warner Bros beliebtes Online-Spiel "Der Herr der Ringe Online" könnte 2014 bereits eingestellt werden. So formuliert ist an der Schlagzeile nichts falsch, schließlich macht jedes Jahr das ein oder andere MMO dicht. Um diese Prognose jedoch in die Schlagzeile schreiben zu können, ignoriert der Autor einen zentralen Punkt seines eigenen Artikels: Die Macher von Herr der Ringe Online haben jederzeit die Option, ihre Lizenz fürs Spiel bis 2017 zu verlängern. 2017 ist doch noch lange hin für ein MMO, oder? Das ist auch dem Autor nicht entgangen:
Of course, the worst-case scenario is just that, but I wouldn't pin it as the likely scenario. After all, there is the extension option, and four more years could be more than enough time to give us that full journey.
Na also, alles nicht so schlimm. Und für den Fall, dass wir es ihm selbst nicht glauben, erklärt uns Turbine weiß auf schwarz:
We plan to support LOTRO for many more years to come.
Diese letzte Information ist leider noch nicht bis zum deutschen Spielejournalismus durchgedrungen.

Asheron's Call feiert 13-jähriges Bestehen
Aber wie lange wird Herr der Ringe Online nun denn existieren? Das Spiel ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber es ist bei weitem nicht das älteste Spiel auf dem Markt. Es hat ein solides Geschäftsmodell und seinem Betreiber Turbine hat seine Ausdauer bereits bewiesen. Es ist das älteste MMO unter Lizenz, aber ich glaube nicht, dass das ein Problem darstellen wird. Falls überhaupt, geht vorher das Entwickler-Studio unter.


Prognose: Ich glaube, dass der Herr der Ringe Online die Unkenrufe überleben wird. Das Spiel ist zeitlos, beliebt und gut gemacht. Unter der Voraussetzung, dass Turbine, Inc. als Firma noch existiert, wird HdRO am 1. Januar 2018 immer noch zugänglich sein und weder der Betreiber noch der Publisher werden das Aus für HdRO verkündet haben.
Konfidenz: 95%

Prognose: Falls Turbine nicht mehr in der heutigen Form existiert, werden die Server von Herr der Ringe Online am 1. Januar 2018 trotzdem noch laufen.
Konfidenz: 90%


Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA.