Freitag, 29. November 2013

Winterprognosen, Auswertung und Konfidenzen

Einige Leser¹ haben uns darauf hingewiesen, dass unser Konfidenzspiel nicht gut balanciert ist. Die maximale erwartete Punktzahl bekommt man, wenn man alle Konfidenzen als 99% angibt. Warum haben wir das bisher nicht gemacht? Die Prozentzahlen sind auch für uns selbst da, damit wir uns trainieren unsere Sicherheit richtig einzuschätzen.

Oft sind sich Propheten zu sicher in ihren Einschätzungen, Vorhersagen mit 99% Sicherheit treten nur in neun von zehn Fällen ein. (Lesswrong:Overconfidence) Nachdem wir eine Weile vorhergesagt und richtig oder auch falsch gelegen haben, können wir unsere eigene Sicherheit angeben. Die Prognosen mit 99% sollten dann also fast immer eintreffen, von den Prognosen mit 70% Konfidenz sollten etwa 70% eintreten, und so weiter. Bevor wir das auswerten, brauchen wir noch ein paar Prognosen mehr.

Ich bin mir sicher, dass hier ein sokratisches Zitat über die Grenzen des eigenen Wissens angebracht ist.

Jetzt aber zur Auswertung und neuen Prognosen:

Tebartz-van-Elst ist noch Bischof von Limburg. Er wurde zwar ins Kloster gesteckt, ist aber noch Bischof. Das gibt -(1/(1-0,8)) =  -5 Punkte für mich.

Ein Koalitionsvertrag ist veröffentlicht, aber ob ich Punkte dafür kriege, hängt von der SPD-Basis ab.

Am Montag habe ich per SMS eine unkluge Prognose an Jonny geschickt, die mich jetzt auch teuer zu stehen kommt. Mit einem Tagesticket der Deutschen Bahn bin ich quer durch Deutschland gefahren um im Zug produktiv zu schreiben. Dabei hatte ich mit 80% Konfidenz vorhergesagt, dass es über den Tag summiert mindestens zwei Stunden Verspätung geben würde. Die gab es nicht, das gibt wieder -5 Punkte.

Damit bin ich jetzt insgesamt bei -7,2 Punkten. Autsch. Es sieht auch deutlich danach aus, als wäre ich mir viel zu sicher, von meinen 80%-Prognosen ist bisher weniger als die Hälfte eingetreten.
Nate Silver wurde bekannt, als er mit gruseliger Genauigkeit den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 vorhergesagt hat. In seinem Buch "The Signal and the Noise" schreibt er über Vorhersagen und wie sie zu treffen sind, es ist sehr empfehlenswert und gut geschrieben.
Ein von ihm vorgestelltes Ergebnis war die negative Korrelation dazwischen, wie oft Politikwissenschaftler Fernsehinterviews gaben und der Genauigkeit ihrer Prognosen. Medienpersönlichkeiten, so Silver, würden oft dramatische, unbelegte Behauptungen machen um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Das, äh, würde uns nieeee einfallen. Nie.

Jetzt bin ich also bei einem negativen Punktestand und es hängt an den Genossen und vielleicht der Finanztransaktionssteuer, mich da wieder rauszuholen.

In der Zwischenzeit gibt es noch ein paar Prognosen:

Der Preis für West Texas Intermediate, eine beliebte Rohölsorte, wird am 1.1.2014 weniger als 92,3$ pro Barrel betragen.
Quelle: http://www.wolframalpha.com/input/?i=west+texas+intermediate
Konfidenz: 60%

Von Harry Potter and the Methods of Rationality werden bis zum 1.1.2014 keine neuen Kapitel veröffentlicht.
Konfidenz: 95%

Von Harry Potter and the Methods of Rationality werden bis zum 1.2.2014 keine neuen Kapitel veröffentlicht.
Konfidenz: 80%

Der durchschnittliche Spotmarktpreis für Solarzellen aus kristallinem Silizium und deutscher Fertigung wird im Dezember 2013 weniger als 0,7€/Wattpeak betragen.
Quelle: Solarserver Preisindex
Konfidenz: 70%

Die nächste Prognose macht deutlich, dass ich nicht zu lange auf Ideen sitzen darf. Ich hatte mir aufgeschrieben, dass es von der britischen Fernsehserie Sherlock neue Folgen zwischen dem 19.12 und 19.01 gibt. Heute hat die BBC einen Termin als 1.1.2014 bestätigt. Den hätte ich gewonnen, schade!

Deshalb ändere ich sie jetzt ab zu:
Im deutschen Fernsehen wird es keine Folgen von Sherlock vor dem 1.2.2014 geben.
Konfidenz: 70%

Jetzt kommt ein Feld, von dem ich überhaupt nichts verstehe, aber linear extrapoliere.
Der atmosphärische CO2-Gehalt wird im November 2013 mehr als 393,85 ppm betragen.
Quelle: CO2Now
Konfidenz: 75%

All diese Prognosen sind eher langfristig. Um mich kurzfristig aus den miesen zu bringen möchte ich eine weitere Prognose vorschlagen:
Beim National Novel Writing Month schaffe ich bis zum 30.11. die geforderten 50k Wörter.
Konfidenz : 96%
Das ist natürlich etwas heikel, weil ich den Ausgang davon selbst beeinflussen kann. Was meint ihr, kann man das gelten lassen?

¹oder vielleicht auch: beide Leser

Sonntag, 13. Oktober 2013

Death and Taxes

"... in this world nothing can be said to be certain, except death and taxes." - Benjamin Franklin

Wir haben lange nichts mehr von uns hören lassen und dabei einige Prognosegelegenheiten verschlafen. So habe ich zum Beispiel noch einen Entwurf herumliegen, welcher der FDP 5-8% prognostiziert. Je nun ... da hat mir meine Faulheit wohl einen Punkteverlust erspart.
In diesem Artikel soll es um Tod und Steuern gehen, genauer um Kirche und Regierungen.

Momentan macht Bischof Tebartz-van Elst von sich reden, da sein Bischofssitz deutlich teurer ist als geplant und behauptet. Nun weiß ich weder etwas genaues über den Bischof von Limburg noch über den von Rom. Ich vermute nur, dass ein Papst, welcher sich nach Franz von Assisi benennt, auf kirchlichen Protz nicht gut zu sprechen ist.

Prognose:
Spätestens am 1.11.2013 wird bestätigt sein, dass Tebartz-van-Elst am 1.1.2014 nicht mehr Bischof von Limburg ist.
Konfidenz: 80%

Nun zu Steuern.
Nach der überraschenden Bundestagswahl¹ findet momentan ein Koalitionspoker statt. Die Union redet mit SPD und Grünen, diese reden mit der Union, die Linke will auch mit SPD und Grünen reden, wird aber nicht gehört.

Prognose:
Es wird eine große Koalition geben
Konfidenz: 70%

Prognose:
Innerhalb der nächsten vier Jahre werden Steuern neu erlassen oder erhöht.
Konfidenz: 99%

Leider ist bisher keine neue Prognose fällig geworden, der Punktestand bleibt beim alten.


¹Gut, dass wir uns da rausgehalten haben. Da hätten wir nur verlieren können.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Kein Aus für Herr der Ringe Online

Die Spielebranche ist wirklich immer für eine Überraschung gut. Nach Microsofts Ankündigung, die nächste XBox-Nutzung nur noch bei laufender Internetverbindung erlauben zu wollen, habe ich einfach alles geglaubt. Nun hat Microsoft einen Rückzieher gemacht. Aber nicht nur mich hat das gewundert, auch echte Industrie-Propheten verlegen die "alles wird digital"-Prognose weiter in die Zukunft. Ich hätte meine Prognose gerne schon früher veröffentlicht, nur um dann falsch zu liegen. Dieses Blog soll ja bewusst ein Gegenentwurf zu denen sein, die schon immer gewusst haben, dass Microsoft mit seiner Immer-Online-Strategie nicht durchkommen wird.

Genau wie das XBox-Fiasko ist auch eine andere Nachricht dem Sumpf der Gerüchte entstiegen, aber im Gegensatz zu den oben genannten Experten, wird sein Urheber über die fehlgeschlagene Prognose nicht überrascht sein. Warner Bros beliebtes Online-Spiel "Der Herr der Ringe Online" könnte 2014 bereits eingestellt werden. So formuliert ist an der Schlagzeile nichts falsch, schließlich macht jedes Jahr das ein oder andere MMO dicht. Um diese Prognose jedoch in die Schlagzeile schreiben zu können, ignoriert der Autor einen zentralen Punkt seines eigenen Artikels: Die Macher von Herr der Ringe Online haben jederzeit die Option, ihre Lizenz fürs Spiel bis 2017 zu verlängern. 2017 ist doch noch lange hin für ein MMO, oder? Das ist auch dem Autor nicht entgangen:
Of course, the worst-case scenario is just that, but I wouldn't pin it as the likely scenario. After all, there is the extension option, and four more years could be more than enough time to give us that full journey.
Na also, alles nicht so schlimm. Und für den Fall, dass wir es ihm selbst nicht glauben, erklärt uns Turbine weiß auf schwarz:
We plan to support LOTRO for many more years to come.
Diese letzte Information ist leider noch nicht bis zum deutschen Spielejournalismus durchgedrungen.

Asheron's Call feiert 13-jähriges Bestehen
Aber wie lange wird Herr der Ringe Online nun denn existieren? Das Spiel ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber es ist bei weitem nicht das älteste Spiel auf dem Markt. Es hat ein solides Geschäftsmodell und seinem Betreiber Turbine hat seine Ausdauer bereits bewiesen. Es ist das älteste MMO unter Lizenz, aber ich glaube nicht, dass das ein Problem darstellen wird. Falls überhaupt, geht vorher das Entwickler-Studio unter.


Prognose: Ich glaube, dass der Herr der Ringe Online die Unkenrufe überleben wird. Das Spiel ist zeitlos, beliebt und gut gemacht. Unter der Voraussetzung, dass Turbine, Inc. als Firma noch existiert, wird HdRO am 1. Januar 2018 immer noch zugänglich sein und weder der Betreiber noch der Publisher werden das Aus für HdRO verkündet haben.
Konfidenz: 95%

Prognose: Falls Turbine nicht mehr in der heutigen Form existiert, werden die Server von Herr der Ringe Online am 1. Januar 2018 trotzdem noch laufen.
Konfidenz: 90%


Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA.

Freitag, 5. Juli 2013

Netzneutralität und die Drosselkom

Von wegen langsames Parlament! Im kurzen Monat Juni hat der Bundestag das Thema Netzneutralität komplett abgefrühstückt - Petition inklusive. Für uns als Propheten wird es an dem Punkt interessant, an dem wir den Blick in die Glaskugel wagen: Wie wird denn nun die Zukunft der Netzneutralität? Der Anfang gebührt Markus Beckedahl von Netzpolitik.org, der uns wissen lässt: "Bundeswirtschaftsministerium wird nicht Drosselkom-Pläne stoppen". Wir werden sehen, was das Wirtschaftsministerium daraus macht und ob tatsächlich noch eine wirksame Verordnung gegen die Pläne der Telekom kommt. Ein Gesetz hat sich jedenfalls vorerst erledigt.

Die düsteren Aussichten laden zum Spekulieren ein. Wie sieht das Internet wohl in zwei Jahren aus? Ich befürchte, dass das "neutrale" Netz, oder was heute noch davon übrig ist, bis 2015 kein Thema mehr sein wird. Bis in zwei Jahren werden die Entertain-Pakete und Musikstreamer ungedrosselt an der Konkurrenz vorbei zum Kunden geleitet. Das geschieht natürlich alles über unsere Leitungen. Die selbe Leitung, über die ich im Schneckentempo meine E-Mails abrufe, wird meinem Nachbar in Echtzeit Mario Barth auf den Bildschirm zaubern. Das wird soweit gehen, dass bis dahin das Peer-to-Peer-Filesharing in Deutschland fast ausgestorben sein wird. Für diese These ist es leider echt schwierig, Belege zu finden. In Ermangelung einer besseren Quelle wähle ich ein Orakel: Der Google-Trend ist eindeutig. Seit 2004 ist das Interesse an Torrents ständig gesunken. Sollte bis zur Auswertung eine bessere Quelle vorliegen, können wir auch diese verwenden.

Halten wir fest:

Prognose: Die Seite Netzpolitik.org wird bis zur Bundestagswahl keine Nachricht veröffentlichen, die das Aus für die Drossel-Pläne der Telekom verkündet.
Konfidenz: 99%
Ausgewertet wird spätestens am 21. September 2013, kurz vor der Bundestagswahl.

Prognose: Bis zum 31. Dezember 2015 wird es wieder Volumentarife der ISPs geben, welche nach "Verbrauch" des Volumens unbrauchbar werden.
Konfidenz: 95%

Prognose: Das Interesse an P2P-Filesharing wird sich bis 2015 mindestens halbieren, gemessen am Google-Trend für den Suchbegriff "torrent" eingeschränkt auf Deutschland und den Zeitraum Juli 2013 bis "heute".
Konfidenz: 95%
Ausgewertet wird spätestens am 31. Dezember 2015.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Halbfreiwillige Aufenthaltsorte

Edward Snowden sitzt in Hong Kong, möchte nach Island, fürchtet sich vor der Regierung der USA. Diese wiederum ist auf ihn nicht so gut zu sprechen, da er Dinge veröffentlicht hat, die sie lieber unter Verschluss gehalten hätten. Wie Snowden nun nach Island gelangen will - das ist nicht ganz trivial.

Kommt uns das irgendwie bekannt vor?
Julian Assange sitzt in London, möchte nach Ecuador, fürchtet sich vor der Regierung der USA. Diese wiederum … und so weiter.

Seit einem Jahr und einem Tag sitzt Assange nun in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Ecuador gewährte Asyl, aber Großbritannien will ihn nicht ausreisen lassen. Stattdessen soll er nach Schweden ausgeliefert werden, wo er unter anderem wegen sexueller Nötigung vor Gericht gestellt werden soll. Assange fürchtet, dass Schweden ihn direkt weiter in die USA ausliefert.

Die USA will ihn natürlich auch vor Gericht stellen und möglicherweise hinrichten. Bei manchen Politikern hat man den Eindruck, dass ihrer Meinung nach ein Gerichtsprozess zwar ganz nett, aber nicht unbedingt notwendig sei.¹

So sieht es in der Botschaft dann doch vergleichsweise gemütlich aus, deshalb gehe ich davon aus, dass er dort noch eine Weile bleibt. Ein Regierungswechsel in Ecuador ist auch nicht in Aussicht² und Großbritannien wird weiterhin nichts gewinnen, wenn sie ihn ausreisen lassen. Mögliche andere Entwicklung: Irgendwer überzeugt Ecuador das Asylangebot zurückzuziehen und ihn rauszuwerfen.

Daher jetzt zwei Prognosen auf einmal:

Prognose: Assange ist am 1.1.2014 noch in der ecuadorianischen Botschaft in London.
Konfidenz: 70%
Ausgewertet wird spätestens am 1.1.2014

Prognose: Assange ist am 1.1.2017 nicht in der ecuadorianischen Botschaft in London.
Konfidenz: 80%
Ausgewertet wird am 1.1.2017

Weil ich nicht bis 2014 warten will um Punkte zu bekommen oder zu verlieren, gibt es sogar eine dritte hinterher. Ich vermute, dass Snowden Hong Kong wesentlich schneller verlässt. Da er möglicherweise ungesehen ausreist, formuliere ich sie anders.

Prognose: Es wird zwischen dem 1.9. und 1.10. keine Nachricht mehr von Snowden geben, die seinen Aufenthalt in Hong Kong bestätigen würde.
Konfidenz: 65%
Ausgewertet wird spätestens am 1.10.2013

Das nächste Mal gibt es wieder kurzfristigere Prognosen.

Update:

Das ging schnell. Snowden befindet sich inzwischen in Russland und es sieht nicht so aus, als ob er nach Hong Kong zurückkehren würde. Hiermit schreibe ich mir 2,8 Punkte zu.

Aktueller Stand:
Jonny: 9,1 Punkte
Moritz: 2,8 Punkte

¹Einige Soundbites sind im Original (Überraschung!) doch nicht so dramatisch, wie Schlagzeilen sie darstellen. Die deutsche Wikipedia schreibt, Sarah Palin hätte dazu aufgefordert, Assange wie einen "Führer der al-Qaida oder der Taliban zu behandeln". Als Quelle wird peopleokwithmurderingassange.com genannt, eine Googlesuche ergibt eine Meldung des britischen Telegraphs, die Schlagzeile suggeriert auch, Palin hätte sich für außergerichtliche Tötungen ausgesprochen. Das Zitat selbst aber spricht nur von der Dringlichkeit: "Why was he not pursued with the same urgency we pursue al-Qaeda and Taliban leaders?" Jemand mit der gleichen Dringlichkeit zu suchen ist nicht das selbe wie auch das gleiche mit ihm zu machen, wenn man ihn gefunden hat. Das wäre jetzt natürlich auch schwierig, ein Drohneneinsatz auf die Botschaft Ecuadors mitten in London würde vermutlich zu diplomatischen Verstimmungen führen.

²Die letzten Wahlen waren in diesem Februar, der bisherige Präsident wurde bestätigt.

Prophetenspiel und Punktestand

Aufmerksame Leser¹ werden sich fragen, warum wir bei unseren Prognosen immer eine Konfidenz angegeben haben. Normalerweise ist es üblich, Prognosen aufzustellen, dann zu triumphieren wenn sie richtig waren und sie andernfalls stillschweigend zu vergessen oder auf "nicht vorherzusehende Umstände" zu schieben. Nicht so bei uns!
Jonny hat bereits weiteren Spaß beim Prognostizieren angedeutet. Alle beteiligten Propheten haben ein Punktekonto und starten mit 0 Punkten. Bei jeder Prognose wird ein Zeitpunkt angegeben, zu dem sie ausgewertet wird. Falls die Prognose eintrifft, werden 1/(1-Konfidenz) Punkte gutgeschrieben. Falls sie nicht eintrifft, werden die Punkte abgezogen. Eine höhere Konfidenz bringt also mehr Punkte wenn sie eintrifft, aber kostet auch mehr wenn sie nicht eintrifft. Ein paar Beispielpunkte:
60%: 1/(1-0.6) = 2,5
90%: 1/(1-0.9) = 10
95%: 1/(1-0.95) = 20
99%: 1/(1-0.99) = 100
Eine Prognose mit 100% Konfidenz würde unendlich viele Punkte bringen oder kosten. Weil so etwas nicht wirklich sinnvoll ist, beschränken wir die maximale Konfidenz auf 99%. Punkte kann jeder bekommen, aber um auf die ständige Rangliste zu kommen, muss die Prognose hier im Blog getätigt worden sein².
Jonnys Prognose ist eingetroffen, wenn auch anders als er geplant hat. Da er eine Konfidenz von 89% (= 0.89) wählte, bekommt er somit 1 / (1-0.89) ~ 9,1 Punkte. 
Aktueller Punktestand:
Jonny: 9,1 Punkte
Moritz: 0 Punkte
¹ (also Ihr beiden)
² Wir nehmen auch gerne Prognosen aus den Kommentaren entgegen.


Donnerstag, 13. Juni 2013

Spielgeld: Die Wirtschaft in Guild Wars 2

Wir wollen ja hier im Blog nicht nur die Prognosen anderer bewerten, sondern auch unsere eigenen. Ich greife hier schon ein wenig vor, denn der größte Spaß am Prognostizieren in diesem Blog kommt erst noch (hint hint). Aber nichts desto trotz: wenn ich die Prognose jetzt nicht veröffentliche kann ich sie auch sein lassen.

Was eignet sich zum Spekulieren besser als eine Börse? Nun habe ich kein Aktienkonto und werde mir keines anlegen, aber im zweiten Guild Wars gibt es ebenfalls Handelskurse. Ich habe mir einen Gegenstand heraus gesucht und versuche nun, seinen Kurs vorherzusagen:

Prophet: Jonny
Zeitraum: bis Montagmorgen 9 Uhr (17. Juni 2013)
Prognose: Der Kurs der Dragon Coffer (Drachenkiste) wird in diesem Zeitraum mindestens einmal bei 222 coin liegen (2 silber 22 copper). Die Prognose zählt, wenn Jonny bis Montag einen Dragon Coffer für 222 kaufen konnte.
Konfidenz: 89%

Der Preis (Nachfrage) war gestern Abend noch bei 444 (± 66). Die Drachenkiste wurde am Dienstag erst neu eingeführt und wird für bestimmte Spielerfolge verwendet. Ein Teil dieser Spielerfolge wird wegen angekündigter Ereignisse am Wochenende deutlich einfacher erreichen zu sein als unter der Woche. Die meisten Spieler werden entsprechende Erfolge am Wochenende erreichen und weniger Drachenkisten benötigen. Deshalb erwarte ich, dass auch die Nachfrage nach der Drachenkiste drastisch sinken wird.

Wird ausgewertet am 17. Juni.

Update

"Vor einigen Sekunden", wie das Spiel behauptet, wurde mein Gebot von 222 coin angenommen und ich konnte 10 Drachenkisten erstehen.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das so früh geschieht. Und wie man auf der Händlerseite sehen kann, ist der Preis auch schon wieder gestiegen. Dort steht außerdem die aktuelle Größe des Marktes und sein Verlauf. Der Nachfragemarkt war zum Zeitpunkt der Prognose bei etwa 60 tausend Einheiten. Zum Zeitpunkt als der prognostizierte Kurs eintrat, war die Nachfrage auf fast 100 tausend angestiegen. Ich lag mit der Begründung also bisher falsch. Das einzige, was jetzt noch meine Ehre retten kann, ist ein Nachfrage-Einbruch bis morgen früh. Aber immerhin hat sich die Prognose für meinen Geldbeute gelohnt, denn ich konnte die 10 Kisten zum Preis von 263 wieder verkaufen. ;-)

Dienstag, 11. Juni 2013

Wirtschaftswachstum für 2013

Willkommen zum Prognosen-Blog!

Am 5. Juni änderten die "Wirtschaftsweisen" ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland um 0,2 Prozentpunkte von +0,3% auf +0,1%.

Ich mag solche Nachrichten nicht und halte sie dazu für überflüssig. Was für einen Unterschied macht es denn für Sie, mich und Daimler-Benz, ob die Wirtschaft Deutschlands™ in diesem oder jenem Maße zunimmt? Mein Gehalt hängt von einem Tarifvertrag ab und der Preis meines Essens vielleicht vom Wechselkurs des Euro. Aber was für Rückschlüsse kann jemand - irgendjemand - aus dieser Zahl ziehen?

Jedes Quartal wird eine Prognose des Wirtschaftswachstums veröffentlicht. Sie wird verbreitet, diskutiert, verglichen, korrigiert und schließlich vergessen. Doch dient sie auch einen anderen Zweck außer als Konversations-Häppchen?

Ich weiß es nicht, und ich bin auch nicht der Mensch, um das heraus zu finden. Stattdessen gehe ich von der logischen Seite an die Sache heran und postuliere: "Aus einer falschen Zahl kann man keine Schlüsse ziehen." Bevor wir also versuchen etwas aus dieser Zahl abzulesen, schauen wir zuerst, ob sie stimmt.

Wir werden hier im Blog die diskutierten Prognosen dokumentieren und verifizieren. Jede Prognose erhält vom Propheten einen Konfidenz-Wert. Dieser gibt an, für wie zuverlässig er seine eigene Prognose hält. Wenn die Deutsche Bank solche Zahlen veröffentlicht, dann muss sie ihrer Sache schon sehr sicher sein, also nehmen wir für diese Prognose 100% Konfidenz an.

Wir halten folgende Prognose fest:

Prophet: Deutsche Bank
Zeitraum: 2012-2013
Prognose: Das Brutto-Inlandsprodukt wird 2013 um 0,1% höher sein als 2012, also 2670,6 Mrd. Euro. (Das sind 1,01 * 2644,2 im Jahr 2012. Akzeptable Werte liegen zwischen 1,004 ⩧ 2657,4 und 1,015 ⩧ 2683,9).
Konfidenz: 100% (von uns gewählt)

Ausgewertet wird am 11. Juni 2014.

Update 1

Die Deutsche Bank hat uns mitgeteilt, dass sie keine Stellung zu unserem Beitrag nehmen kann. Wir haben dafür Verständnis.

Update 2

In "Ausblick Deutschland: Die schöne neue Welt der Geldpolitik" gibt DB Research übrigens den Grund für die Korrektur so an:
Aufgrund des statistischen Unterhangs erwarten wir aber jetzt nur noch ein BIP-Wachstum von +0,1% im Jahresdurchschnitt 2013 (vorher 0,3%).
Den Begriff kannte ich nicht, aber das statistische Bundesamt erklärt ihn uns:
Der sogenannte statistische Unterhang des Jahres 2012 beträgt – 0,3 %. Dabei handelt es sich um die Veränderungsrate des BIP, die sich für das Jahr 2013 ergäbe, wenn das saison- und kalenderbereinigte BIP im gesamten Jahr auf dem Niveau des vierten Quartals 2012 verbleiben würde.
Hm. Schlauer als vorher fühle ich mich jetzt nicht gerade.